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Thomas Bernhard: Holzfällen. Eine Erregung

Hätte er nur nicht die Auersbergers getroffen. Und dann die geistige Umnachtung, als er ihre Einladung zu einem „künstlerischen Abendessen“ annahm geschweige denn, dass er auch noch hinging…
20 Jahre lang hatte er jeden Kontakt mit der künstlerischen Szene, in der er damals zu Hause war, gemieden. Weil er sie hasste, die Künstler und die Kunstliebhaber der Stadt Wien. Und nun sitzt er in einem Ohrensessel bei dem „künstlerischen Abendessen“ der Auersbergers und sagt kein Wort. Stattdessen rechnet er innerlich ab, erinnert sich, erinnert sich, warum sein Hass so unversöhnlich ist, erinnert sich, wie das damals war, sieht, was aus seinen ehemaligen Freunden geworden ist und bereut jede Sekunde, hergekommen zu sein.
Reicht das für ein Buch mit 320 Seiten? Ohne Kapiteleinteilung, ohne jedwede Einteilung, nicht einmal Absätze gönnt Thomas Bernhard den Lesern seiner Abrechnung mit falschen Menschen, Wichtigtuern und Egozentrikern. Unglaublich, dass der Autor es schafft, Satz an Satz aneinandergereiht, in ständiger Wiederholung über das ganze Buch doch immer wieder neue Facetten und neue Gründe seiner Ablehnung einzustreuen. So zeigt er nahezu in jedem einzelnen, wunderbar langen und doch gut verständlichen Satz seine Verachtung der Personen, mit denen er diesen Abend verbringen muss. Und dennoch ist Holzfällen nicht bar einer versöhnlichen Note oder Selbstkritik. Überwiegend macht Thomas Bernhard aber seiner Verachtung und seinem Hass Luft. Und das liest sich herrlich.