Posts Tagged ‘Sex’

John Irving: Eine Mittelgewichts-Ehe

Partnertausch, um eine Ehekrise zu bewältigen? Was anfangs zu funktionieren scheint, entpuppt sich als fatale Fehleinschätzung: Scheinbar spielt nur einer nicht richtig mit, aber was in den anderen dreien vorgeht, weiß auch keiner genau.
John Irving beschreibt dieses Liebesdrama großartig und menschlich, man kann sich in die Figuren hineinversetzen, man lebt und leidet mit. Auch wenn sein schräger Humor und sein Gespür für skurrile Szenen hier nicht ganz so ausgeprägt zu sein scheinen wie beispielsweise bei Hotel New Hampshire oder Garp, ist Eine Mittelgewichts-Ehe ein typischer Irving, fesselnd und hervorragend zu lesen.

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John Niven: Kill Your Friends

Steven Stelfox ist A&R Manager einer großen Londoner Plattenfirma. A&R steht für Artist & Repertoire, sein Job ist es, Künstler zu finden, die für seine Firma möglichst lukrativ sind. Umnebelt von Drogen und Sex, ob mit Prostituierten oder Bekanntschaften, hat er schon lange keinen Hit mehr gelandet und ist verantwortlich für Musiker, die Unmengen an Geld kosten und keines einspielen. Als ihm ein Kollege den Job wegschnappt, auf den er spekuliert hat, macht er für seine Karriere auch vor Mord nicht Halt.

John Niven war in den Neunzigern selbst als A&R Manager tätig und baut aus seinen Erfahrungen in der Musikbranche eine der fiesesten, zynischsten und abgründigsten Figuren, die man in Romanen finden kann. Seine Hauptfigur Steven Stelfox erzählt dabei in erster Linien von Drogen- und Sexexzessen, eklig und schockierend, pornographisch und satirisch überzogen. In seinen Augen sind Frauen Objekte mit schnellem Verfallsdatum, deren Erniedrigung ihn erregt, Menschen generell verachtenswert, das Leben dient nur dem schnellen Geld und dem noch schnelleren Fick. Leider kommt die eigentliche Handlung dabei etwas zu kurz. Dieser hätte John Niven gerne etwas mehr Platz einräumen dürfen, das hätte der aufgrund Fäkalsprache und kaputter Phantasien durch und durch verkommenem Atmosphäre keinen Abbruch getan.
Dennoch ist Kill Your Friends eine für Hartgesottene empfehlenswerte Satire auf die große Zeit der Plattenfirmen in den Neunzigern, geschrieben von einem Insider, der die Klischees der Branche auf die Spitze treibt. Wieviel Wahres daran ist, will man vielleicht besser gar nicht wissen.