Posts Tagged ‘Punk’

Genepool – Spalter

Genepool - SpalterNur ein Jahr nach LAUF!LAUF!, dem bis dahin wavigsten Album von GENEPOOL legt die Kapelle mit den zwei Schlagzeugern nach: SPALTER heißt das neueste Machwerk und führt konsequent fort, was schon bei LAUF!LAUF! so überzeugte: Die Mischung aus Wave, Punkrock und 80er scheint hier vollkommen, die Band angekommen auf einer ganz eigenen Stufe. Obwohl die Bandbreite von gothlastigen Nummern wie “I’m in love with a ghost” über Punk-Smasher wie “Bottom Kill” bis hin zum devoesken “Submission” (“Baby Baby bitte nicht heut Nacht…”) reicht, ist alles unverkennbar GENEPOOL und rockt, was das Zeug hält. Ian Spehrs straighte und irgendwie arrogante Stimme passt grandios, die Gesangsmelodien gehen ins Ohr und verlassen es nie wieder, die Gitarren zeigen sich vielseitig wie nie, ohne an Power zu verlieren, die zwei Drummer treiben Hit um Hit voran, dass es nur so knallt.
Für mich schon jetzt eine der Scheiben des Jahres, wenn nicht DAS Album 2011!

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John Robb: Punk Rock

John Robb war selbst mit seiner Band Membranes von Anfang an dabei, als Punk entstand. In PUNK ROCK läßt er Mitglieder der Sex Pistols, von The Damned, The Clash, Siouxsie and The Banshees, The Adverts und vielen anderen Bands der ersten Stunde aus ihrer Sicht erzählen, wie Punkrock in England entstand und sich bis 1984 entwickelte. So bekommt man einen teils sehr persönlichen und auf jeden Fall informativen Abriss von der Geburt des Punk bis hin zur Absplitterung von Oi, Postpunk, New Wave, Gothic, Alternative und was immer seinen Ursprung in den ersten Konzerten der Sex Pistols und von The Clash hatte. Anekdote reiht sich an Anekdote, die Antipathie mancher Bands untereinander unterhält mindestens so gut wie John Lydons alias Johnny Rottens Verachtung nahezu aller Punkbands nach den Pistols. Die Musikindustrie bekommt ebenso ihr Fett ab wie die englische Regierung unter Thatcher.

Die Menge an Interviews vermittelt Authenzität, auch wenn sie sich teilweise widersprechen, da jeder aus seiner Perspektive erzählt und Dinge oft anders erlebt oder zumindest in Erinnerung hat als seine Mitstreiter oder gar andere Bands. Die informativen, zusammenfassenden Texte zu Beginn jedes Kapitels dürften allerdings etwas ausführlicher sein, um Zusammenhänge, die man sich so aus den Interviews zusammenreimen muss, klarer herauszustellen.

Dennoch ist PUNK ROCK eine Pflichtlektüre für alle, die über Punk schimpfen, davon schwärmen, alten Zeiten nachtrauern oder meinen, den einzig wahren Punk darzustellen. Was hierzulande und wahrscheinlich auch weltweit in Sachen Punkrock passiert, hat oft kaum mehr etwas mit dem zu tun, was vor über 30 Jahren in England entstand. Manches war eben nicht so, wie viele heute denken, und vieles wurde von den Punks der ersten Stunde ganz anders gesehen als Legenden glaubhaft machen wollen.

Anmerkung: John Robb ist dem Punkrock treu geblieben und ist seit 1995 Frontmann der Band Goldblade.

Joey Goebel: Freaks

Unterschiedlicher könnten sie kaum sein, und dennoch haben sie eine große Gemeinsamkeit: Sie sind besonders, aber ausgelacht und verachtet von den normalen Menschen um sie herum.
Die 80jährige Oma im Sex Pistols-T-Shirt mit regem Sexleben, das 8jährige Mädchen, das alles und jeden hasst, die hübsche satanistische Stripperin im Rollstuhl, der Iraki, der den Amerikaner sucht, den er im ersten Irakkrieg angeschossen hat, um sich bei ihm zu entschuldigen und der Afroamerikaner mit der abartigen Frisur, dessen intellektuelle Genialität mit Drogenrausch verwechselt wird – sie sind beste Freunde und gründen eine Band namens The Freaks.
Joey Goebel erzählt die Geschichte der Freaks in seinem zweiten Roman nicht nur aus der Perspektive der einzelnen Bandmitglieder, sondern auch der Menschen um sie herum. So ertappt man sich teilweise dabei, auf der Seite der „Humanoiden“, wie sie vom genialen, ständig in Selbstgespräche versunkenen, Sänger der Freaks genannt werden, zu sein, obwohl die fünf für ihr Verhalten durchaus logische und nachvollziehbare Gründe haben. Eigentlich sogar verständlicher als die „normalen“ Verhaltensmuster. Dieser Spiegel, der einem vorgehalten wird, ist dabei aber in einer so komischen, skurrilen und witzigen Geschichte verpackt, dass er fern jeglichen erhobenen Zeigefingers ist.
Obwohl Freaks aber ein sehr gelungenes, ebenso unterhaltsames wie dann doch nachdenkliches Buch ist, gibt es im Vergleich zu Joey Goebels anderen Romanen, „Heartland“ und vor allem „Vincent“ doch eine leichte Einschränkung. So wirkt der Roman teilweise drehbuchartig, was wohl daher kommt, dass die Geschichte tatsächlich zuerst als Drehbuch gedacht war. Dieser Stil stört ein bisschen den gewohnten Lesefluss. Dies könnte in einem Buch über Menschen, die sich dem Normalen verschliessen, natürlich auch Programm sein. Wer weiß ..?
Doch auch wenn Freaks das drittbeste der drei Romane von Joey Goebel ist: eine Empfehlung ist dieser besondere Roman in jedem Fall wert.

Lee Hollis: Monsters

Lee Hollis, Sänger einer der bekanntesten Punkbands Deutschlands, den Spermbirds und einer der geschätzesten Punkbands Deutschlands, Steakknife, Musiker in Deutschland seit den 80er Jahren, stammt aus Texas, war als GI hier stationiert und lebt und wütet seither hier, nicht nur als charismatischer Frontmann der genannten Bands sondern auch als Autor von Kurzgeschichten. Diese sind in Englisch geschrieben, und wurden nicht übersetzt, was aber kein Problem ist, da sie ziemlich leicht zu lesen und zu verstehen sind. Ein kleines Schmunzeln erzeugen die selten, aber gekonnt eingestreuten deutschen Worte. Soviel zum technischen. Auf knapp hundert Seiten, mit großer Schrift und noch großzügigerem Platzverbrauch, erwarten den Leser Geschichten sowohl aus dem Leben als auch aus den teils merkwürdigen Fantasien Hollis‘. Sehr amüsant sind die Hirngespinste, die meist in alltäglichen Situationen ihren Anfang nehmen. Und hier und da kommt unaufdringlich aber doch eindeutig gesellschaftskritisches zutage, gerade wenn es um Lee Hollis Heimat geht. Zwischen den Geschichten liest man kurze zensierte Einträge aus Lees Lesetour-Tagebuch, übrigens von einer Lesetour mit Jan Off. Zwei persönliche „Desperate Letter“ runden das kurzweilige, sehr unterhaltsame Buch ab. Irgendwie ärger ich mich. Ich ärger mich, dass ich mir schon seit bald zehn Jahren erzählen lasse, wie gut Lee Hollis Bücher sind. Und trotzdem erst jetzt das erste Mal eines gelesen hab. Damit werd ich es schwer haben, sein erstes Werk „Driving in a dead man’s car“ in die Finger zu bekommen. Das gibt es scheinbar nicht mehr im Handel. Sehr schade, sagen doch einige, es sei das beste. Ich weiss es nicht, aber „Monsters“ ist auf jeden Fall großartig. Und ich mach mich wieder auf die Suche nach dem Erstling.

Meine Kleine Deutsche: Before People Forget Sound

Hinter dem komischen Namen verbirgt sich eine schwedische Band, die sich irgendwo bei punkigem Wave und Elektro ansiedelt. Die Vorgängerplatte war wohl noch punkiger (ich kenne sie leider noch nicht), Before People Forget Sound wird vor allem durch an die 80er erinnernden Hitmelodien geprägt, die Synthieklänge stehen relativ weit im Vordergrund, für punkigen Charme sorgen die nicht immer treffsicheren Stimmen, die genau so sein müssen, damit das Paket stimmt.

Für mich eine Entdeckung des Jahres!