Posts Tagged ‘Mafia’

Roslund & Hellström: 3 Sekunden

Es ist eine gefährliche Sache, das Infiltrieren des organisierten Verbrechens. Piet Hoffmann hat drei Identitäten: Für seine Familie spielt er den Inhaber einer Sicherheitsfirma, für eine polnische Mafiaorganisation den schwedischen Kontaktmann, doch in Wirklichkeit arbeitet er für die schwedischen Ermittlungsbehörden. Nun soll er den Drogenhandel in den schwedischen Gefängnissen übernehmen und damit der polnischen Mafia den lukrativsten Teil dieses Geschäftes zuschanzen. Auf diesen Moment haben auch seine Kontakte bei der Polizei gewartet, um dann die Organisation zu zerschlagen.
Im Gefängnis auf sich allein gestellt, muss Hoffmann jedoch um sein Leben fürchten und setzt einen Plan um, den nur er kennt.

Anders Roslund und Börge Hellström ist hier ein Krimi gelungen, der seinesgleichen sucht. Atemlos zieht die Geschichte einen in seinen Bann und bleibt dabei doch glaubhaft. Gut recherchiert wirkt das Aufeinanderprallen der Verbrechensbekämpfung und des Zulassens von Verbrechen, um die Infiltration nicht zu gefährden. An vorderster Front steht der Zwiespalt innerhalb der Polizei: Da darf die eine Hand nicht wissen, was die andere tut, woraus die beiden schwedischen Autoren fatale Konsequenzen erspinnen, die einen, unterstützt durch ein hohes Erzähltempo, an das Buch fesseln.
Zwei Mankos schmälern jedoch die Begeisterung: Zum Einen wird auf dem Rückentext des Buches zu viel verraten, hätte der Verlag da besser aufgepasst, würde sich die Spannung bis zum Ende des Buches besser halten. Zum Anderen scheint die Übersetzerin zwischendurch eine schlechte Phase gehabt zu haben, da wird eine Nase gebogen, die danach wieder schief zusammenwuchs, Kindern wird vehement “Puder Bär” vorgelesen und manche grammatikalische Fehlentwicklung beschäftigt mit mehrmaligem Lesen eines Satzes.
Dennoch markiert 3 Sekunden einen Höhepunkt bei den Krimis und Thrillern der letzten Jahre und übertrumpft einige Autoren, die die Bestsellerlisten bevölkern.

Josh Bazell: Schneller als der Tod

Josh Bazells Mafiaroman „Schneller als der Tod“ wurde als „zynisch und komisch, als hätte Tarantino bei Dr. House Regie geführt“, „schockierend“ und „cool“ beworben. Große Worte und was dahinter?

Dr. Peter Brown ist Assistenzarzt in einem New Yorker Krankenhaus … und ehemaliger Mafiakiller in einem Zeugenschutzprogramm. Als sich ein neuer Krebspatient als alter Mafiabekannter entpuppt, holt ihn seine Vergangenheit ein: entweder überlebt der seinen Krankenhausaufenthalt, was nicht gerade mit guten Chancen gesegnet ist, oder Peters Feinde bei der Mafia werden umgehend über seinen Aufenthaltsort informiert. Und das ist erst der Anfang einer Reihe von Dingen, die schief gehen…

Anfangs wirkt Peter Brown eine Spur zu cool und aufgesetzt in einem kühlen Thriller, doch das Tempo, in dem Josh Bazell den Leser in die Handlung zieht, der Zynismus, in dem der ehemalige Auftragsmörder seine Situation betrachtet sowie die brutale und überzeichnete Geschichte passen dazu wie die Faust aufs Auge und relativieren dieses Manko schnell, kehren es sogar ins Gegenteil, machen es unerlässlich in diesem gnadenlosen Showdown. Nebenbei wird mit allem und jedem abgerechnet, mit dem amerikanischen Gesundheitssystem, geld- und publicitygeilen Ärzten und ihrer Moral, dem FBI, der Gesellschaft sowie dem Menschen an sich. Das zieht sich durch den ganzen Roman, der Peters früheres Leben als Pietro Brwna genauso fesselnd und direkt erzählt wie seine gegenwärtigen Probleme.

Die 300 Seiten Vollgas vergehen wie im Flug, Spannung ist großgeschrieben und wer zynische, brutale Thriller mag und den Humor aus Filmen wie Reservoir Dogs oder Pulp Fiction schätzt, kommt hier ganz sicher auf seine Kosten. Womit wir bei den eingangs erwähnten Schlagworten sind: Tarantino wäre sicher für eine Verfilmung von „Beat The Reaper“, so der Originaltitel, ideal.