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Pauls Toutonghi: Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war

Yuri Balodis ist Sohn lettischer Einwanderer in den USA. Sein Vater, Reinigungskraft in einem Autohaus, sitzt Abend für Abend auf dem Balkon, trinkt Bourbon und erzählt Yuri immer und immer wieder dieselben haarsträubenden Geschichten aus Lettland und schwärmt von Amerika, dem einzig wahren freien Land. Als Yuri sich in eine engagierte Sozialistin verliebt, entstehen folgenreiche Spannungen zwischen Vater und Sohn. Und dann fällt auch noch die Berliner Mauer und die lettischen Verwandten kündigen sich an; das Chaos nimmt seinen Lauf.
So erlebt Yuri seine Pubertät zwischen Liebe und Loyalität, idealistischen sozialistischen Ideen seiner Angebeteten und den Erinnerungen seines Vaters an kommunistische Unterdrückung, der väterlichen Liebe eines Alkoholikers und den Träumen und Bangen um das Mädchen, das ihm den Kopf verdreht.

„Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war“ ist gepflastert von dramatischen Ereignissen, Verletzungen, Enttäuschungen, aber auch von viel Liebe, Zueinanderhalten, Freundschaft, und vor allem einem großartigen stillen Humor, unaufdringlich und glaubwürdig. Allein durch die tolle Umsetzung des Einwandererdialekts, die einen immer wieder schmunzeln lässt, muss man Yuris Eltern einfach lieben. Überhaupt, die Charaktere sind so fein ausgearbeitet, dass man sie zu kennen glaubt, man sieht die Familie vor sich: der Vater mit seinen manchmal naiven Vorstellungen vom freien Amerika, der aber auch in einigen Momenten durchblicken läßt, dass er sehr wohl weiß, dass nicht alles Gold ist im vielgepriesenen Land der Freiheit; die Mutter, die sich den Gegebenheiten immer anpasst und für die ihr Sohn ihr Ein und Alles ist; und Yuri, der ständig hin- und hergerissen ist zwischen seiner Liebe zu einer überzeugten Jungsozialistin und dem Respekt seinen Eltern gegenüber.
Trotz vieler skurriler Geschehnisse wirkt an „Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war“ nichts aufgesetzt und es liest sich von Anfang an wunderbar flüssig.
Ein schöner und unterhaltsamer Blick in verschiedene Welten, in eine Zeit, in der sich vieles änderte, aus dem Blick eines Jungen, in dessen Leben sich zu dieser Zeit ebenfalls vieles änderte.

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