Posts Tagged ‘irving’

John Irving: Eine Mittelgewichts-Ehe

Partnertausch, um eine Ehekrise zu bewältigen? Was anfangs zu funktionieren scheint, entpuppt sich als fatale Fehleinschätzung: Scheinbar spielt nur einer nicht richtig mit, aber was in den anderen dreien vorgeht, weiß auch keiner genau.
John Irving beschreibt dieses Liebesdrama großartig und menschlich, man kann sich in die Figuren hineinversetzen, man lebt und leidet mit. Auch wenn sein schräger Humor und sein Gespür für skurrile Szenen hier nicht ganz so ausgeprägt zu sein scheinen wie beispielsweise bei Hotel New Hampshire oder Garp, ist Eine Mittelgewichts-Ehe ein typischer Irving, fesselnd und hervorragend zu lesen.

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John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

Eine tödliche Verwechslung zwingt den zwölfjährigen Daniel, zusammen mit seinem alleinerziehenden Vater  Dominic Baciagalupo aus seinem Heimatort Twisted River zu fliehen. Diese Flucht bestimmt nahezu sein ganzes Leben, Vater und Sohn müssen immer wieder fliehen und sich an neuen Orten ein neues Leben aufbauen. Einzige Verbindung nach Twisted River ist ihr Freund Ketchum, ein grobschlächtiger und trinkfester Holzfäller, der die Situation daheim beobachtet und sich für den Koch Dominic und den angehenden Schriftsteller Daniel verantwortlich fühlt.

Bären, ungewöhnliche zwischenmenschliche Beziehungen, ein Schriftsteller, Unfälle – Irvings neuer, epischer Roman erscheint wie eine Mixtur aus Altbewährtem. Diese funktioniert wunderbar: Gemessen an vielen anderen Schriftstellern ist Letzte Nacht in Twisted River ein hervorragendes Buch. Leider aber ist John Irving sein eigener größter Konkurrent und muss seinen neuen Roman in erster Linie an eigenen früheren Werken messen lassen. Daß der bei diesem Vergleich nicht ganz so gut abschneidet, liegt zum Einen an den vielen Zeitsprüngen, die ein Folgen der Handlung manchmal schwierig machen. Zum Anderen entfaltet Irving seinen gewohnt skurrilen Humor nur in wenigen Szenen. Hielten sich sonst Lachen und Weinen die Waage, oft sogar beides zugleich, so ist Letzte Nacht in Twisted River mehr in Richtung Drama angelegt. Doch obwohl Letzte Nacht in Twisted River nicht an seine Meisterstücke wie Garp oder Owen Meany heranreicht, ist auch Irvings neuestes Werk eine unterhaltsame, besondere Familiengeschichte ohne Längen, der man sich gerne widmet.

John Irving: Garp und wie er die Welt sah

Irving schafft es durch seine skurrilen Geschichten, seine besonderen Charaktere und dramatische Wendungen kombiniert mit komischen Elementen, seinen ganz eigenen, einzigartigen Stil zu entwickeln. Und der ist einfach großartig. Verrückte Geschichten, die sich grad an der Grenze des Unglaubwürdigen einfinden, aber eben nicht darüber. Unterhaltsam, traurig, witzig, dramatisch, komisch, …. Garp hat alles davon, ist ein typischer Irving, von denen, die ich bislang gelesen hab, vielleicht der typischste. Dabei sind die vorherrschenden Themen Frauen und Feminismus sowie Garps zu ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und natürlich noch einiges mehr, schliesslich handelt es sich um eine ganze Lebensgeschichte. Wer noch nie Irving gelesen hat, dürfte mit diesem Werk ordentlich Appetit bekommen.