Posts Tagged ‘Irland’

Kevin Power: Die letzte Nacht des Sommers

Richard, Barry und Stephen sind Studenten eines Colleges in Dublin, gehören zur traditionsreichen und finanziell besser gestellten Oberschicht, spielen Rugby und trinken gern mal einen. Am 31. August feiern und zechen sie genauso wie Conor, ebenfalls Rugbyspieler vom College, den sie noch aus ihrer Kindheit kennen, in einem Pub. Als dieser schliesst, geschieht das Unfassbare. Die drei sowie noch einige weitere Jungs prügeln auf Conor ein und treten ihn, als er reglos am Boden liegt. Später im Krankenhaus stirbt er.

Anders als andere Romane stellt “Die letzte Nacht des Sommers” gleich zu Beginn klar, was passiert ist, wer getötet wurde und von wem. Inhalt des Romandebüts von Kevin Power ist, wie es dazu kam, in welchen sozialen Gefügen Täter und Opfer aufwuchsen, welche Rolle Traditionen ihrer Herkunft, Eltern, Schule spielten. Dies baut eine ungeahnte Spannung auf, man liest wie in einem Tatsachenbericht, der voller Mitgefühl ist und dennoch eine gewisse – auch nötige – Distanz bietet. Fassungslos verfolgt man die Untersuchung des Falls, die Gerichtsverhandlung und wie die Familien sowohl des mutmasslichen Haupttäters als auch des Opfers damit umgingen.

“Die letzte Nacht des Sommers” basiert auf einer wahren Geschichte, daher sorgte der Roman bei seinem Erscheinen in Irland für ordentlichen Wirbel. Kevin Power setzte das Thema fesselnd, aber keineswegs reißerisch um und schuf damit ein außergewöhnliches, sehr empfehlenswertes Buch.

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Adrian McKinty: Der sichere Tod

1992 herrscht in Nordirland eine hohe Arbeitslosigkeit. Michael Forsythe hat keine Chance, einen Job zu bekommen und nimmt daher das Angebot an, illegal nach New York auszuwandern, um dort für Darkey White zu arbeiten. In dessen Streetgang erkämpft er sich mit skrupellosen Methoden schnell Vertrauen und Respekt. Wäre da nicht Bridget, Darkeys Freundin, die auch Michael den Kopf verdreht und eine Affäre mit ihm anfängt. Darkeys Rache ist grausam, aber Michael entgeht seinem eigentlich sicheren Tod und beginnt einen blutigen Rachefeldzug.
Anfang der Neunziger fanden in New York etwa 2000 Morde pro Jahr statt. Adrian McKinty, der in dieser Zeit wie seine Figur Michael Forsythe in Harlem lebte, erzählt in Der sichere Tod nicht nur eine grausame und spannende Gangsterstory, sondern verfasste auch eine Milieustudie: Themen sind nicht nicht nur die Kriminalität und die Gangs, sondern auch das Umfeld, die Menschen, die in ärmlichsten Verhältnissen zwischen dieser Gewalt leben mussten. So skrupellos und konsequent Michael Forsythe auch seiner Arbeit nachgeht, der im Vergleich zum anderen Gangpersonal belesene und intelligente Ire lässt immer wieder durchblicken, dass er mit seinem Gewissen kämpft und viel lieber ein ehrliches Leben aufbauen würde. Ob der zweite Teil der Michael Forsythe-Trilogie davon handelt, wage ich zu bezweifeln.
Wirklich überraschende Wendungen sucht man in Der sichere Tod vergebens. Adrian McKinty erzählt aus Michael Forsythes Perspektive, der in seiner Erzählung ab und zu gerne vorgreift und die Konsequenzen alternativer Handlungsweisen zu bedenken gibt. Dennoch liest sich das Buch spannend und flüssig. Nur die in die coole Erzählweise eingestreuten etwas blumigen Gedanken und Träume ziehen sich manchmal und man ist froh, wenn McKinty wieder zu seiner eigentlichen Story findet. Diese entschädigt das aber allemal. Ich bin gespannt auf The Dead Yard, den zweiten Teil der Michael Forsythe-Trilogie.