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T.C. Boyle – Hart auf Hart

Boyle_24737_MR.inddT.C. Boyle zählt für mich zu den besten aktuellen Schriftstellern, er versteht es, mit einem gewissen untergründigen Humor und skurrilen Personen und Begebenheiten zu unterhalten und dabei zudem etwas zum Nachdenken mitzubringen. In „Hart auf Hart“ (mir gefällt der deutsche Titel überhaupt nicht, dann doch lieber den Originaltitel auch für die Übersetzung belassen: „The harder they come“) ist die Ironie jedoch nicht so ausgeprägt wie in seinen anderen Büchern. Ist aber nicht das erste Mal, dass Boyle dieses ihn für viele prägende Element, wenn nicht außen vor lässt, so zumindest etwas zurückschraubt. Das schadet dem Buch aber in keinster Weise.

„Hart auf Hart“ ist eine unglaubliche Geschichte, besser: Die Geschichte ist eine Geschichte, wie sie in den USA doch durchaus realistisch ist. Unglaublich ist, wie die Menschen, die darin involviert sind, ticken. Verschwörungstheoretiker, Waffennarren, Amokläufer, Menschen, die sich eine Identität zusammenschustern, die ihnen erstrebenswert scheint, weil sie keine haben, die ihnen genügen würde. T.C. Boyle schafft es, einen Einblick in Menschen zu ermöglichen, deren Verhalten in erster Linie unverständlich scheint. Dabei unterhält er großartig. Ich freue mich schon auf den nächsten T.C. Boyle.

Cormac McCarthy: Die Straße

Ein Mann zieht zusammen mit seinem Sohn durch ein zerstörtes Nordamerika. Zwischen grauen Wäldern und toten Städten begegnen die beiden nur selten anderen Menschen, die auch so lange überlebt haben. Und wem sie begegnen, können sie nicht trauen. Die Angst vor Kannibalismus, Vergewaltigung, purer Gewalt besiegt das Sehnen nach Freundschaft, Gesprächen, Nähe. Wer anderen helfen will, muß die tödliche Gefahr des Vertrauens eingehen, wer macht das schon, zumal der Sohn beschützt werden soll. Hoffnung auf was? Es gibt nichts mehr. Der Tod, willkommene Lösung, aber Angst davor treibt das Leben voran. Das Leben in einem ständigen Ascheregen, in der allgegenwärtigen Kälte, und doch ist da die Fürsorge, die väterliche Liebe, die der Verzweiflung standzuhalten versucht, die ihm einen Sinn gibt, wo es keinen geben kann.

Cormac MacCarthy versteht es, seine Leser die Trostlosigkeit, die Hoffnungslosigkeit, die Angst und die endlose Suche nach einem Funken Hoffnung erleben zu lassen. In wenigen, aber treffsicheren Worten und Sätzen wird ein Bild der Kälte und des grauen, verlorenen Landes fühlbar gemacht, das sich einprägt und stärker nachhält als so mancher Film.