Posts Tagged ‘Geschichte’

Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

Umberto Eco - Der Friedhof in Prag„Der Friedhof in Prag“ ist der zweite Roman nach „Der Name der Rose“, den ich von Umberto Eco gelesen habe. Und ich bin am Ende doch irgendwie begeistert, das Thema ist höchst interessant, und raffiniert baut Eco tatsächliche Aussagen realer Figuren und Geschehnisse um seine fiktive Hauptfigur Simone Simonini. In dieser Konstellation erzählt Eco, wie „Die Protokolle der Weisen von Zion“, das gefälschte Dokument, das Antisemiten bis heute für die Unterstützung ihres Hasses und ihrer Feindseligkeit nutzen, obwohl schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts bewiesen ist, dass sie gefälscht sind, entstanden sein könnte und wie überhaupt geschichtliche Ereignisse aufgrund von gefälschten Briefen, Dokumenten, Papieren so und nicht anders passiert sind.
Einziger Wermutstropfen dieses spannenden Romans, der in Tagebuchform geschrieben ist, ist die Masse an Figuren und an Geschehnissen: Trotz ausführlicher Fussnoten im Anhang ist es sehr schwierig, einen Uberblick zu behalten. Dies ist aber gut zu verkraften, die unglaubliche Dreistigkeit, mit der in „Der Friedhof in Prag“ Geschichte gelenkt und Menschen aus dem Weg geräumt werden, wie Menschen manipuliert werden, teils nur um von aktuellen Problemen abzulenken oder sich Gründe für eine bestimmte Vorgehensweise zu schaffen, ist auch so erschreckend und gleichzeitig fesselnd.

Advertisements

John Robb: Punk Rock

John Robb war selbst mit seiner Band Membranes von Anfang an dabei, als Punk entstand. In PUNK ROCK läßt er Mitglieder der Sex Pistols, von The Damned, The Clash, Siouxsie and The Banshees, The Adverts und vielen anderen Bands der ersten Stunde aus ihrer Sicht erzählen, wie Punkrock in England entstand und sich bis 1984 entwickelte. So bekommt man einen teils sehr persönlichen und auf jeden Fall informativen Abriss von der Geburt des Punk bis hin zur Absplitterung von Oi, Postpunk, New Wave, Gothic, Alternative und was immer seinen Ursprung in den ersten Konzerten der Sex Pistols und von The Clash hatte. Anekdote reiht sich an Anekdote, die Antipathie mancher Bands untereinander unterhält mindestens so gut wie John Lydons alias Johnny Rottens Verachtung nahezu aller Punkbands nach den Pistols. Die Musikindustrie bekommt ebenso ihr Fett ab wie die englische Regierung unter Thatcher.

Die Menge an Interviews vermittelt Authenzität, auch wenn sie sich teilweise widersprechen, da jeder aus seiner Perspektive erzählt und Dinge oft anders erlebt oder zumindest in Erinnerung hat als seine Mitstreiter oder gar andere Bands. Die informativen, zusammenfassenden Texte zu Beginn jedes Kapitels dürften allerdings etwas ausführlicher sein, um Zusammenhänge, die man sich so aus den Interviews zusammenreimen muss, klarer herauszustellen.

Dennoch ist PUNK ROCK eine Pflichtlektüre für alle, die über Punk schimpfen, davon schwärmen, alten Zeiten nachtrauern oder meinen, den einzig wahren Punk darzustellen. Was hierzulande und wahrscheinlich auch weltweit in Sachen Punkrock passiert, hat oft kaum mehr etwas mit dem zu tun, was vor über 30 Jahren in England entstand. Manches war eben nicht so, wie viele heute denken, und vieles wurde von den Punks der ersten Stunde ganz anders gesehen als Legenden glaubhaft machen wollen.

Anmerkung: John Robb ist dem Punkrock treu geblieben und ist seit 1995 Frontmann der Band Goldblade.

Robert Harris: Pompeji

Süditalien, im Sommer des Jahres 79 nach Christus: Der Aquarius Attilius übernimmt die Verantwortung für die Wasserversorgung im Gebiet um Pompeji, da der bisherige Wasserbaumeister spurlos verschwunden ist. Ausgerechnet jetzt versiegt in mehreren Städten das Wasser und politische Techtelmechtel erschweren die Reparaturarbeiten. Während Attilius nach und nach einem Korruptionsskandal auf die Spur kommt und sich nebenbei verliebt, wird sein Leben nicht nur durch skrupellose Geschäftemacher bedroht, sondern auch durch den bevorstehenden Ausbruch des Vesuv.

Ein routinierter und solider Thriller fesselt einen hier von Anfang bis zum Ende und läßt keine Längen aufkommen. Das wäre aber noch nichts wirklich besonderes, viel faszinierender ist allerdings die Verknüpfung antiker Geschichte damit. Nicht nur der Ausbruch des Vesuv und die darauf folgende Panik wird glaubwürdig und spannend geschildert, sondern auch das Leben und teilweise auch die Politik im Römischen Reich des Jahres 79 nach Christus. Mittendrin statt nur dabei könnte man fast schon sagen, so lebendig baut Robert Harris seine Geschichte in die historische Realität ein und umgekehrt. Seien es der Umgang miteinander, mit Sklaven, die generelle Skrupellosigkeit in fast allen Bereichen, die technischen Errungenschaften dieser Zeit, politische Techtelmechtel, Essgewohnheiten oder das Liebesleben der alten Römer, alles wird anschaulich dargestellt und bietet fesselnden Geschichtsunterricht, der Lust auf mehr macht.

Zur besseren Veranschaulichung bietet „Pompeji“ zudem eine Karte der Gegend um den Vesuv zur betreffenden Zeit, allerdings vermisse ich eine kleine Übersicht, welche Personen und Vorkommnisse auf wahren Begebenheiten beruhen. So muss ich eben Wikipedia oder ähnliches bemühen … nicht so schlimm, aber im Buch direkt danach blättern können wäre eine rundere Sache gewesen.

Bernd I. Gutberlet: Die 50 größten Lügen und Legenden der Weltgeschichte

Hier wird mit Lügen und Legenden aufgeräumt. Wobei sich Lügen hierbei in erster Linie auf Verschwörungstheorien bezieht, d.h. so mancher Verschwörungstheoretiker wird auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Allerdings heißt das nicht, daß alles aufgeklärt wird. Geben es die tatsächlichen Fakten her, dann schon, andernfalls werden wankende Argumente und „Beweise“ mit dem konfrontiert, was historisch bewiesen oder wahrscheinlich ist.
Der Eindruck, den das Buch durch Cover und Buchrückentext erweckt, wird allerdings nicht gehalten, denn so spektakulär, wie es diese vermuten lassen, ist es nicht. Eher trocken werden Fakten und Behauptungen gegeneinander ausgespielt, trotzdem interessant, wenn man damit leben kann, dass nicht alle Sensationen auch wirklich sensationell sind.
Inwiefern eine Abhandlung mancher Themen auf vier bis fünf Seiten der historischen Geschichte gerecht wird, ist natürlich eine andere Frage, die ich aber nicht beantworten kann. Diese kurzen Kapitel machen das Buch aber zu einer idealen Lektüre nebenbei, um nicht zu sagen Klolektüre.