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Albert Camus: Der Fremde

Albert Camus: Der FremdeEiner meiner Lieblingssongs ist „Killing an Arab“ von The Cure, der ihnen oftmals den Verdacht des Rassismus einbrachte. Die Wahrheit ist aber, dass „Killing an Arab“ auf dem Buch „L’Étranger“, zu deutsch „Der Fremde“ von Albert Camus basiert. Höchste Zeit also, diesen Roman in Augenschein zu nehmen:

Meursalt lebt und arbeitet in Algerien in den 30er Jahren. Emotionen sind ihm fremd, nicht einmal, als seine Mutter stirbt ist er eines Gefühls fähig. Weder Gewalt noch Liebe erreichen ihn, ohne jeglichen Ehrgeiz, ohne Ziele geht er durchs Leben. Als er einen Araber am Strand erschiesst, wird ihm seine für die Gesellschaft unerträgliche Gleichgültigkeit zum Verhängnis, doch ändert das etwas an seiner Gefühlskälte?

Nobelpreisträger Albert Camus erzählt die Geschichte aus der Perspektive Meursalts, unaufgeregt, fast gelangweilt, unerheblich ob es um seine berufliche Laufbahn, um den Tod seiner Mutter oder die Schüsse auf den Araber geht. Das macht Meursalt zu einer authentischen Person, die einen in seine Gleichgültigkeit mit hineinzieht. Erst, wenn man zwischendurch einmal durchatmet, wird man sich seiner erschreckenden Seelenwelt bewusst, und auch der Unfähigkeit der Gesellschaft damit umzugehen, so einen Menschen überhaupt zu realisieren.

Camilla Way: Little Bird

Als Zweijährige wird Elodie in der Normandie von einem stummen Mann aus ihrem Kinderwagen entführt. Zehn Jahre lang lebt sie mit ihm im Wald in einer einfachen Hütte, bis er sich eines Tages umbringt und sie an einer Straße aufgelesen wird. Das Mädchen, das niemals sprechen gelernt hat, aber Vogelstimmen perfekt imitieren kann, wird einer amerikanischen Linguistin anvertraut. Elodie wird der lebende Beweis, dass auch ein sogenanntes Wildes Kind sprechen lernen und ein normales Leben führen kann. Nach einem tragischen Unfall jedoch flüchtet Elodie nach New York und später nach London. Dort baut sie sich unter einer falschen Identität ein neues Leben auf. Doch ein Mann aus ihrem früheren Leben spürt sie auf und will sie töten.

Psychothriller steht auf dem Cover des 365 Seiten starken Taschenbuchs. Dabei fasziniert Little Bird vor allem in der ersten Hälfte, in der Elodies Entführung und anschliessende Entwicklung erzählt wird. Leider gelingt es Camilla Way nicht, diese Faszination auch in die zweite Hälfte mitzunehmen. So wird aus einer interessanten, besonderen Geschichte ein eher durchschnittlicher Thriller und man wird das Gefühl nicht los, dass hier schlussendlich Potential verschenkt wurde.

Oliver Plaschka: Die Magier von Montparnasse

Paris, Montparnasse 1926: Beim letzten einer Reihe von Auftritten des Zauberkünstler Ravi bricht der Magier eine Zaubererregel: Er wendet echte Magie an, um sich und seine Assistentin nach einem gefählichen Malheur zu retten. Die geheime Societe, der Zaubererverband, schickt ihre Vertreter, um den Fall zu untersuchen. In einem kleinen Hotel treffen diese magischen Menschen zusammen und ziehen auch Unwissende und womöglich die ganze Welt in einen Kampf zwischen Traum und Wirklichkeit.

Was eine atemberaubend spannende Geschichte erwarten läßt, überzeugt leider nicht. Wirklich fesselnd wird Die Magier von Montparnasse nämlich erst im Showdown, der 300 Seiten auf sich warten lässt. Bis dahin dümpeln die Geschehnisse so dahin, nicht uninteressant, aber langatmig. Der doch überraschende Schluss, die ständig wechselnden Perspektiven sowie der schöne, kunstvolle Schreibstil von Oliver Plaschka, authentisch zu 1926 und dennoch sehr gut lesbar, retten Die Magier von Montparnasse dann doch noch. Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack sowie das Gefühl, dass hier weniger mehr gewesen wäre.