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David Gilmour: Unser allerbestes Jahr

Hey, was, zu Ende? Ich hätte doch noch so viel mehr wissen, erfahren wollen…
Dabei bricht das Buch nicht einfach so ab, nein es endet ordnungsgemäß und gut, schließlich wollen Jesse und David ja auch ein bisschen ihre Privatsphäre wieder haben. Und doch fühlt man sich mitten drin und es ist komisch, nicht zu wissen, wie es mit den beiden weitergeht.
Aber mal von vorne: David erlaubt seinem sechzehnjährigen Sohn Jesse, die Schule abzubrechen, wenn er sich bereit erklärt, drei Filme pro Woche zusammen anzuschauen, die Papa aussucht. Ein bisschen Bildung wenigstens, wenn auch in ungewöhnlicher Form. Drei Filme pro Woche und Gespräche über alles mögliche, drei Jahre lang … allerlei Familienleben, Erwachsenwerden, Frust, Liebe, Liebeskummer, Verständnis, Enttäuschung, Erfolge und Misserfolge und das alles aus der Sicht eines Vaters, der ganz nah dabei ist, wie es sonst leider keinem Vater möglich ist, wenn ein Kind erwachsen wird.
David Gilmour erlaubt uns, dabei zu sein, er schreibt sehr flüssig und sehr persönlich, man lernt ihn und seinen Sohn kennen, fühlt sich mitten drin im Geschehen, kann nachvollziehen, wenn Jesse über seine Ex redet, die ihn immer noch nicht loslässt. Aber auch die Zweifel, die mit der Entscheidung, den Schulabbruch zu erlauben, zusammenhängen, die Ängste, den Sohn um seine Zukunft gebracht zu haben und Reflektionen über sein bisheriges Leben schildert David Gilmour in „Filmclub“, wie das Buch im Original heißt. Abgesehen davon, dass „Unser allerbestes Jahr“ die Dauer dieser Zeit falsch suggeriert, klingt „Filmclub“ nicht nur viel besser, sondern passt haargenau, schließlich spielen sich die Dramen, Komödien und Romantiken im echten Leben von Vater und Sohn zwischen den Filmtagen ab, die die beiden dreimal in der Woche haben. So lernt man nebenbei viel über Kino, Anekdoten über Regisseure, Besonderheiten einzelner Filme, Schauspieler und allem, was damit zusammenhängt. Gut, manchmal ist es etwas viel, vor allem wenn man viele Filme nicht kennt, aber vieles ist auch interessant und gut in die wahre Geschichte der Gilmours eingebettet, die sogar Menschen, die sich nicht sonderlich für Filme interessieren, mehr als entschädigt.
Eine cineastische sympathische Familiengeschichte, großartig geschrieben, offen und ehrlich erzählt, leicht und unbeschwert zu lesen, rundum eine Empfehlung, keinesfalls nur aber vor allem für Väter!