Posts Tagged ‘Berlin’

Ferdinand von Schirach: Schuld

Ferdinand von Schirach, mittlerweile einer der bekanntesten deutschen Strafverteidiger, erzählt auch in seinem zweiten Buch von besonderen Fällen, mit denen er in seiner Arbeit konfrontiert wurde. Diese Stories sind schockierend, dramatisch und fesselnd, reichen von traurigen menschlichen Schicksalen bis hin zu thrillerartigen Geschehnissen  und einmal blitzt sogar etwas Ironie zwischen Elend, Verbrechen und Strafen durch. Bei all diesen Geschichten, die der Berliner Anwalt basierend auf wahren Fällen zusammentrug, steht jedoch trotz der relativ sachlichen Erzählweise der Mensch im Vordergrund. Dies gelingt von Schirach in “Schuld” genauso gut wie in seinem Debüt “Verbrechen”.

Dass “Schuld” dennoch nicht an “Verbrechen” heranreicht, liegt an der Auswahl der Fälle. Es scheint, die interessantesten und beeindruckendsten wurden schon im Erstling verarbeitet. Die Messlatte lag aber auch ziemlich hoch, und so ist diese zweite Sammlung von Verbrechen und Schicksalen  ebenfalls sehr lesenswert.

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Sebastian Lühn: Sommer Stück Berlin

Früher waren sie unzertrennlich. Ein Liebespaar, platonisch, verbunden durch Träume vom selbstbestimmten Leben, leidenschaftlich, lebten in den Tag hinein, in der Provinz. Doch nach dem Abitur zieht das Leben sie auseinander, sie landet in Berlin, wo sie ihre Vorstellung vom Leben zu verwirklichen sucht, ihn verschlägt es nach München, die alten Träume weichen einem erfolgreichen Job. Beide sind der Provinz entflohen, aber unterschiedlicher könnten ihre neuen Leben kaum sein. Nun besucht er sie, drei Tage erlebt er ihr Leben, den Versuch der gelebten Träume, sie ist so viel näher an ihren früheren Idealen, aber macht sie das glücklicher? Läßt sich das Glück überhaupt erreichen?Sehnt er sich nach diesem Leben, oder ist er vielmehr zufrieden mit dem seinen? Zwischen der Freiheit von Zwängen, Berliner Partyleben und der Farce der Ach-So-Anderen steht auch die Frage, was an Berlin dran ist, an seinem Image, das so viele wie sie dorthin zieht.

Sommer Stück Berlin ist ein ruhiges Buch, Sebastian Lühns Sprache erinnert an Judith Hermann, so unaufgeregt und fast beiläufig erzählt er diesen Besuch bei seiner besten Freundin. Das schafft Raum für die Beschäftigung mit der Freundschaft der beiden, worauf sie gebaut ist, was die beiden im Endeffekt unterschiedlich werden ließ und wie zufrieden sie ihr Leben macht. Dafür ist die Kürze des Buches ideal, länger dürfte es nicht sein, dafür ist der Stil dann doch zu unaufgeregt.