Archive for the ‘Musik’ Category

The Cure: Bestival Live 2011

Das erste Livealbum seit 18 Jahren, dazu ein komplettes Konzert, da war die Vorfreude groß. Und von Enttäuschung keine Spur. Der Sound ist durch die Bank gut, jedes Instrument lässt sich gut raushören, man hört die Freude, die Robert Smith bei der Show hatte, an seinem Gesang, und die Songauswahl geht quer durch weit über 30 Jahre The Cure. Manch einer mag Paul Thompson an der Gitarre vermissen, jedoch macht Smith seinen Job als alleiniger Gitarrist ausgesprochen gut, und es gibt nur sehr wenige Stellen, an denen ich eine zweite Gitarre vermisse, wobei „vermisse“ übertrieben ist, die neueren Songs klingen dadurch manchmal etwas straighter, etwas weniger bombastisch.
Im Gegensatz zu vielen Livealben anderer Bands ist The Cure Bestival keine Konzertaufnahme, die doch irgendwie wie das Album klingt, sondern unverkennbar live, jedoch mit sehr gutem Mix und dadurch wunderbar zu hören.
Volle Punktzahl und ich hoffe sehr auf ein baldiges neues (Studio-)Album!

Nachtrag: Sämtliche Verkaufserlöse dieser Veröffentlichung werden an die wohltätige Organisation Isle of Wight Youth Trust gespendet.

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Genepool – Spalter

Genepool - SpalterNur ein Jahr nach LAUF!LAUF!, dem bis dahin wavigsten Album von GENEPOOL legt die Kapelle mit den zwei Schlagzeugern nach: SPALTER heißt das neueste Machwerk und führt konsequent fort, was schon bei LAUF!LAUF! so überzeugte: Die Mischung aus Wave, Punkrock und 80er scheint hier vollkommen, die Band angekommen auf einer ganz eigenen Stufe. Obwohl die Bandbreite von gothlastigen Nummern wie “I’m in love with a ghost” über Punk-Smasher wie “Bottom Kill” bis hin zum devoesken “Submission” (“Baby Baby bitte nicht heut Nacht…”) reicht, ist alles unverkennbar GENEPOOL und rockt, was das Zeug hält. Ian Spehrs straighte und irgendwie arrogante Stimme passt grandios, die Gesangsmelodien gehen ins Ohr und verlassen es nie wieder, die Gitarren zeigen sich vielseitig wie nie, ohne an Power zu verlieren, die zwei Drummer treiben Hit um Hit voran, dass es nur so knallt.
Für mich schon jetzt eine der Scheiben des Jahres, wenn nicht DAS Album 2011!

John Robb: Punk Rock

John Robb war selbst mit seiner Band Membranes von Anfang an dabei, als Punk entstand. In PUNK ROCK läßt er Mitglieder der Sex Pistols, von The Damned, The Clash, Siouxsie and The Banshees, The Adverts und vielen anderen Bands der ersten Stunde aus ihrer Sicht erzählen, wie Punkrock in England entstand und sich bis 1984 entwickelte. So bekommt man einen teils sehr persönlichen und auf jeden Fall informativen Abriss von der Geburt des Punk bis hin zur Absplitterung von Oi, Postpunk, New Wave, Gothic, Alternative und was immer seinen Ursprung in den ersten Konzerten der Sex Pistols und von The Clash hatte. Anekdote reiht sich an Anekdote, die Antipathie mancher Bands untereinander unterhält mindestens so gut wie John Lydons alias Johnny Rottens Verachtung nahezu aller Punkbands nach den Pistols. Die Musikindustrie bekommt ebenso ihr Fett ab wie die englische Regierung unter Thatcher.

Die Menge an Interviews vermittelt Authenzität, auch wenn sie sich teilweise widersprechen, da jeder aus seiner Perspektive erzählt und Dinge oft anders erlebt oder zumindest in Erinnerung hat als seine Mitstreiter oder gar andere Bands. Die informativen, zusammenfassenden Texte zu Beginn jedes Kapitels dürften allerdings etwas ausführlicher sein, um Zusammenhänge, die man sich so aus den Interviews zusammenreimen muss, klarer herauszustellen.

Dennoch ist PUNK ROCK eine Pflichtlektüre für alle, die über Punk schimpfen, davon schwärmen, alten Zeiten nachtrauern oder meinen, den einzig wahren Punk darzustellen. Was hierzulande und wahrscheinlich auch weltweit in Sachen Punkrock passiert, hat oft kaum mehr etwas mit dem zu tun, was vor über 30 Jahren in England entstand. Manches war eben nicht so, wie viele heute denken, und vieles wurde von den Punks der ersten Stunde ganz anders gesehen als Legenden glaubhaft machen wollen.

Anmerkung: John Robb ist dem Punkrock treu geblieben und ist seit 1995 Frontmann der Band Goldblade.

Amanda Jenssen: Happyland

Produkte aus Castingshows haben ja bei vielen Musikliebhabern einen nicht grundlosen Ruf, fliessbandproduzierte, reibungsfreie Kapitalanlagen von kurzer Lebensdauer zu sein. Da könnte man vermuten, dass es eher ihr Glück als ihr Pech war, dass Casting-Diva Amanda Jenssen in der schwedischen Show „Idol“ 2007 nur den zweiten Platz belegte. Schaut man sich allerdings ihre dort vorgetragenen Songs bei youtube an, stellt man schon eine teils sehr gute und eigene Auswahl fest, die bei Bohlens DSDS ihresgleichen sucht. Auf ihrem nun erschienenen zweiten Album präsentiert sie eine äußerst gelungene, abwechslungsreiche Mischung aus Rockabilly, Swing und Jazz, die den 20er Jahren entsprungen scheint. Ruhige Songs wie „The End“, mit etwas rauchiger Stimme vorgetragen, wirken ebenso intensiv und glaubwürdig wie die fetzigen, bigbandartig begleiteten Stampfer a la „Common Henry“. Dabei sind viele Songs wahre Ohrwürmer, allen voran das Titelstück Happyland, dessen Video die Stimmung des ganzen Albums gut einfängt.
Die 1988 geborene Amanda Jenssen hat übrigens einige Songs selbst geschrieben und bei allen übrigen war sie am Songwriting beteiligt, was durchaus nicht üblich ist. Damit beweist sie ein großes musikalisches Talent, mit dem ihr eine lange, internationale Karriere gesichert sein sollte.

The Serpentines 7inch EP

Wunderschön aufgemacht ist die drei Songs umfassende Single der Stuttgarter Serpentines: Das stimmungsvolle Cover steckt zusätzlich hinter einem transparenten bedruckten Papier, innen findet sich ein Booklet und natürlich die Single aus weißem Vinyl. Das bietet einem kein Download. Doch den gibts noch dazu, wenn man den innenliegenden Code benutzt. Der erste Eindruck läßt sich also kaum toppen.

Und was die Rillen hergeben, bestätigt, was die Verpackung verspricht: Schöne Melodien, melancholisch, treibend und tanzbar. Der oft sparsame Einsatz der Gitarre und des Synthies kommt immer punktgenau, nicht zu viel nicht zu wenig. Der Gesang wirkt leicht monoton, was in diesem Fall kein Nachteil ist, da er sich eher zurückhaltend in die Musik einreiht. Da weiß jemand genau, was er will und wie er es hinbekommt. Vergleiche zu Joy Division und Interpol sind angebracht, dennoch haben die Serpentines ihren eigenen Sound.

Eine rundum gelungene Veröffentlichung!

http://theserpentines.com

Meine Kleine Deutsche: Before People Forget Sound

Hinter dem komischen Namen verbirgt sich eine schwedische Band, die sich irgendwo bei punkigem Wave und Elektro ansiedelt. Die Vorgängerplatte war wohl noch punkiger (ich kenne sie leider noch nicht), Before People Forget Sound wird vor allem durch an die 80er erinnernden Hitmelodien geprägt, die Synthieklänge stehen relativ weit im Vordergrund, für punkigen Charme sorgen die nicht immer treffsicheren Stimmen, die genau so sein müssen, damit das Paket stimmt.

Für mich eine Entdeckung des Jahres!