Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe

Raskolnikow, ein verarmter Student im St. Petersburg des 19. Jahrhunderts, sieht seine einzige Chance, an seiner Karriere weiter zu arbeiten, im Verbrechen. Ohne Geld kein Studium und da er der Welt sein Genie nicht verschliessen will, ist es seine Pflicht, irgendwie Geld aufzutreiben, um so sein Studium fortsetzen zu können. Was ist schon eine alte unbeliebte fiese Pfandleiherin im Vergleich zu dem, was er der Welt bieten könnte, hätte er nur das Geld für seine Ausbildung. So reift in ihm ein folgenschwerer Entschluß.

Klassische Weltliteratur, das klingt immer nach schwierig, anstrengend, kaum zu bewältigen, nach Arbeit und erinnert an düstere Schulzeiten in denen Literatur durch Zwang zu Folter verkam.
Nichtsdestotrotz habe ich mir einmal vorgenommen, mich an möglichst vielen Klassikern bzw. deren Autoren wenigstens einmal zu versuchen, so dass ich sie danach guten Gewissens in die Ecke pfeffern und alles weitere ignorieren kann, weil der gute Wille ja da war … oder eben auch nicht, nämlich mich begeistern zu lassen, zu verstehen, was großartig ist und Spaß daran zu finden.
So hab ich mich dann auch an Dostojewskis Verbrechen und Strafe gemacht, mit einer Erwartung, die an die Situation am Fuße eines zu bezwingenden Berges erinnert. Man will es packen, man rechnet aber nicht mit viel Freude daran, aber andere haben es ja auch geschafft. Und siehe da: So schwer war der Aufstieg gar nicht. Verbrechen und Strafe hat viel von einem Krimi, spannende Momente, die Sprache ist dank der gelungen Übersetzung Swetlana Geiers gar nicht so schwierig, manch etwas langatmige Stelle gibt es zwar, aber da ist man schnell drüber weg. Und die etwas schwülstigen Reden und Dialoge passen zu der Zeit und lassen den Umgang der Menschen untereinander, die im 19. Jahrhundert in St. Petersburg lebten oder teils eher vegetierten, erleben.
So gehört Dostojewski nach der Lektüre von Verbrechen und Strafe nicht zu den Autoren, die ich ignorieren werde. Anspruchsvolle Literatur, die sich aber gut lesen lässt, eine spannende Handlung, eine philosophische Abhandlung darüber, ob Grenzen überschritten werden dürfen, wer sich über Regeln hinwegsetzen darf und gleichzeitig ein Krimi, der so manchem modernen Krimi in nichts nachsteht.
Überraschung gelungen.

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4 responses to this post.

  1. Klingt tatsächlich interessant. Ich halte mich ja meistens auch von den sogenannten Klassikern fern, wahrscheinlich aus denselben Gründen wie du bisher. Weil man es für zu trocken, zu anstregend, zu wenig aufs eigenen Leben passend empfindet. Aber manchmal wird man positiv überrascht, da viele Themen einfach zeitlos sind. In dem Zusammenhang fällt mir Yukio Mishimas „Geständnisse einer Maske“ ein, fand ich ziemlich großartig.

    Dostojewski muß ih vielleicht auch mal antesten.

    Antwort

  2. Klassiker sind eben genauso unterschiedlich, wie das was zur Zeit auf den Markt kommt. Günther Grass hab ich mich zum Beispiel mal durchgebissen, ich kann den aber jetzt guten Gewissens nie NIE wieder lesen ;o)
    Verbrechen und Strafe kann ich Dir gerne mal leihen.

    Antwort

    • Yo, wär cool! Ich bring dir demnächst deine Bücher wieder, „Heartland“ hab ich noch nicht ganz durch, aber bald (übrigens sehr gut bisher).

      Und Günther Grass? Ich hab’s mal versucht, aber der geht GAR NICHT!

      Antwort

      • Noch besser als Heartland fand ich Vincent von Joey Goebel, das hab ich allerdings aus der Bücherei gehabt. Das war wirklich ein grandioses Buch zwischen Satire, Drama und Thriller.

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